Rahel Guiragossian Kollektion präsentiert in Moskau während der "Mercedes-Benz Fashion Week Russia“, 2019

Das Beste aus Ausstellungen, Literatur, Film und Fashion – immer mit einem guten Schuss Kunst!

 

Unsere Fashion Redakteurin Maíra Goldschmidt stellt für Euch einmal im Quartal ihre persönlichen Highlights aus Deutschland und über seine Grenzen hinaus zusammen.

Ihre Frühlings Favoriten featuren eine Ausstellung in Amsterdam die Arbeiten des ersten schwarzen Fotografen überhaupt, der ein Cover für die US Vogue geshootet hat, zeigt. Tyler Mitchell ist erst 23 Jahre alt.

Ebenfalls noch ziemlich jung ist die Modedesignerin Rahel Guiragossian, die aus den Werken dreier Generationen von Künstlern, nämlich die ihrer Vorfahren, schöpft.

Das Bauhaus darf in seinem hundertsten Jubiläumsjahr nicht fehlen. Das Leben und Schaffen von zwei Kölnerinnen und Cousinen am selbigen wird beleuchtet.

Außerdem ein Buch mit wundervollen Bildern über Queer Art und schließlich DER Dokumentarfilm über den kontroversen (Gott sei Dank!) Robert Mapplethorpe.

Viel Spaß!

 

Tyler Mitchell – I Can Make You Feel Good @ Foam Fotografiemuseum Amsterdam

Bis zum 5. Juni präsentiert das Foam – Photography Museum Amsterdam – die erste Einzelausstellung des jungen Fotografen Tyler Mitchell, der eines der am meisten beobachteten Nachwuchstalente in der heutigen Fotografie ist. Mit Bonbon-Farbpaletten und natürlichem Licht porträtiert Mitchell junge dunkelhäutige Menschen in Gärten, Parks oder vor idyllischen Studiokulissen, wo sie frei, ausdrucksstark, mühelos, sensibel und stolz wirken.

Untitled (Hat), 2018 © Tyler Mitchell
Tyler Mitchell. Photo by Owen Smith Clark
Untitled (Two Girls Embrace), 2018 © Tyler Mitchell

Ich traf sehr oft auf sinnliche, junge, attraktive weiße Models, die herumlaufen, frei sind und so viel Spaß haben – die Art von Sachen, die Larry Clark und Ryan McGinley machen würden. Ich sah sehr selten dasselbe für Schwarze in Bildern – oder zumindest in der Fotografie, die ich damals kannte.

Boys of Walthamstow, 2018 © Tyler Mitchell

Der Vergleich mit Larry Clark ist nicht weit hergeholt. Zu Beginn seiner Karriere hat Mitchell Skate-Videos gedreht und dokumentierte die Musik-, Mode- und Jugendkultur in Atlanta.

2017 schloss er die NYU Tisch School of the Arts ab und veröffentlichte sein erstes Fotobuch El Paquete (2015), in dem er die Architektur und lebendige Skateboardkultur in Havanna, Kuba, einfängt.

2018 kam dann das Highlight: Mitchell ist der erste schwarze Fotograf, der das Cover im 126-jährigen Bestehen des Vogue Magazine gestaltete (er fotografierte Beyoncé für die September Ausgabe).

Nicht schlecht, oder? Neben einer Auswahl von Bildern und Auftragswerken des Künstlers zeigt Foam auch zwei Videoarbeiten von Mitchell: Idyllic Space und Chasing Pink, Found Red.

 Foam Fotografie Museum Amsterdam: Keizers Gracht 609, 1017 DS Amsterdam, The Netherlands
www.foam.org

2 von 14. Zwei Kölnerinnen am Bauhaus @ Museum für Angewandte Kunst Köln

Es gab nachweislich 14 Kölner*innen am Bauhaus. Zwei von ihnen sind die Künstlerinnen und Cousinen Margarete Heymann-Loebenstein und Marianne Ahlfeld-Heymann. Zum 100-jährigen Bauhaus-Jubiläum präsentiert das MAKK ihre Arbeiten im Dialog mit Farbstudien, Gemälden und Zeichnungen von Johannes Itten, Oskar Schlemmer, Wassily Kandinsky und László Moholy-Nagy aus der eigenen Sammlung. 

Margarete Heymann-Loebenstein, Teile eines Teeservice, Haël-Werkstätten für künstlerische Keramik, Marwitz, um 1929, Privatsammlung, © Estate of Margarete Marks. All rights reserved/VG Bild-Kunst, Bonn 2019 (Foto: © RBA Köln, Marion Mennicken)

Margarete Heymanns 1923 gegründete Haël-Werkstätten galten international als eine der kreativsten Keramikwerkstätten dieser Zeit. Die avantgardistischen und reduzierten Formen ihrer Gebrauchskeramik und die Dekore legen einen Vergleich mit Kompositionen von Kandinsky oder Moholy-Nagy nahe.

Nach Marianne Heymanns Bauhaus-Zeit schuf sie Handpuppen und Marionetten für freie Produktionen. Anschließend arbeitete sie als Bühnenbildnerin am Mannheimer Nationaltheater sowie zeitgleich an der Kölner Oper – z. B. für Jacques Offenbachs Operette „La Périchole“. Die Einflüsse von Schlemmers Bühnenkunst, wie turmartige Kopfbedeckungen mit konzentrischen Ringen, trapezförmiger Kleidung, gesteppten und gepolsterten Säumen und eine klare Farbpalette, wirken besonders bei ihren Kreationen für Kostümdesigns.

Die Kreationen der beiden Künstler*innen sind bis zum 11. August in Köln zu besichtigen.

 MAKK – Museum für Angewandte Kunst Köln: An der Rechtschule, 50667 Köln | museenkoeln.de

Marianne Heymann, „Le Xylophone. Costume pour un ballett“, Mannheim, 1929 © Theaterwissenschaftliche Sammlung der Universität zu Köln
László Moholy-Nagy „Z-III“, Öl auf Leinwand, Berlin 1922, MAKK, Stiftung Prof. Dr. R. G. Winkler, Bad Godesberg (Foto: © Sascha Fuis Fotografie)

Eine Modedesignerin, die man im Auge behalten sollte: Rahel Guiragossian

Rahel Guiragossian stammt aus einer Familie von Malern und verwendet die Bilder ihres Großvaters (Paul Guiragossian), ihres Vaters (Emmanuel Guiragossian) und ihres Bruders (Marc Guiragossian), um ihre eigenen Designs zu entwerfen. Aus den Bildern kreiert sie zunächst einen Stoff, und anschließend das Design. Dabei benutzt sie immer einen anderen Teil des Bildes, sodass jedes Stück zum Unikat wird. Sie arbeitet zudem auch mit der “zero waste”-Methode, indem sie versucht, keinen Stoff zu verschwenden. Manchmal wird der Stoff nicht einmal geschnitten, sondern wie eine Skulptur um den Körper gelegt.

 Der Kunde kümmert sich meist um die Ästhetik, aber hinter jedem Stück steckt eine ganze Geschichte.

Rahel Guiragossian Kollektion präsentiert in Moskau während der "Mercedes-Benz Fashion Week Russia“, 2019

Wer ist Rahel Guiragossian? Sie ist Armenierin (geb. 1991), geboren in Beirut, Libanon. 2006 zog sie mit ihrer Familie nach Deutschland und hat sowohl die libanesische als auch die deutsche Nationalität. Sie absolvierte 2012 ihren Bachelor of Fashion Design in London am “Istituto Marangoni” und arbeitete nach ihrem Abschluss als Modedesignerin bei “Zuhair Murad” in Beirut. Zwei Jahre später erwarb sie einen Master-Abschluss in Nachhaltigkeit in der Modebranche und präsentierte ihre Arbeiten einige Jahre lang auf der Berlin Fashion Week. Im Jahr 2015 zeigte sie ihre Kollektion in Zusammenarbeit mit “Not Just a Label” in der Fiera di Vicenza und 2018 gründete sie ihre eigene Marke in der Schweiz. Im März 2019 präsentierte Guiragossian ihre erste Solo-Modenschau in Moskau während der “Mercedes-Benz Fashion Week Russia”. You go, girl!

Jamil Hellu; Zulfikar Ali Bhutto (a.k.a. Faluda Islam) grew up in Pakistan. In Arabic poetry, a deer often symbolizes an effeminate young man. In Brazil, the word deer ('veado') is commonly used as slang to insult gay men, 2017, digital pigment print. Picture credit:  courtesy and © the artist  (page 263)
Art & Queer Culture
Giuseppe Campuzano, Letanía, 2012, digital collage and silkscreen on paper, 50 × 30 cm. Picture credit: courtesy and © the artist  (page 265)

God save the queer!

Eine faszinierende Mischung aus Etabliertem und Underground! Die überarbeitete und aktualisierte Ausgabe von Phaidons “Art & Queer Culture” enthält Übersichtsartikel und Vollfarbtafeln mit Werken von über 250 Künstlern. Für diese Ausgabe haben die Autoren ein zusätzliches Kapitel mit dem Titel “Queer and Now” hinzugefügt, um die Geschichte aktuell zu halten. Auf den Seiten findet der Leser Worte von bekannten Persönlichkeiten wie Francis Bacon, Nan Goldin, Catherine Opie und Felix Gonzalez-Torres bis hin zu neuen Künstlern wie Lola Flash, f.marquespenteado, Nancy Brooks Brody, The Aids Memorial Instagram Project, Nabil Vega und anderen.

 Art & Queer Culture – By Catherine Lord and Richard Meyer
de.phaidon.com

 

For The Love Of Photography #4: Mapplethorpe

Am 6. Juni präsentiert The Factory Berlin “Mapplethorpe: Look at the Pictures” (2016) im Rahmen der Dokumentationsreihe zur Kunst der Fotografie. Unter der Regie von Fenton Bailey & Randy Barbato untersucht der Dokumentarfilm das umstrittene Leben und Werk von Mapplethorpe, dessen Fotografien mit ihren offenen Darstellungen von Nacktheit, Sexualität und Fetischismus soziale Grenzen überschritten haben – “Schauen Sie die Bilder an, Schauen Sie die Bilder an”, waren die Worte, mit denen Senator Jesse Helms 1989 das Werk von Robert Mapplethorpe im US-Kongress anprangerte.

Ich will eine Geschichte sein, die nachts in Betten auf der ganzen Welt erzählt wird.

Der Film hatte vollen Zugang zur Robert Mapplethorpe Foundation und beginnt seine Geschichte 1963, als er sich am Pratt Institute in Brooklyn einschrieb, um Zeichnung, Malerei und Skulptur zu studieren. Die Dokumentation beschäftige sich mit seiner Beziehung mit Patti Smith, seinem Ruhm und seinem Tod und enthält ca. 50 Originalinterviews mit Familie, Freunden, Mitarbeitern und Kollegen, darunter Carolina Herrera, Brooke Shields, Fran Lebowitz, Bob Colacello und Debbie Harry.

 Factory Berlin Görlitzer Park, Lohmühlenstraße 65,  5th Floor, Cinema, 12435 Berlin | factoryberlin.com

 

Header Photo: Crawford Barton, A Castro Street Scene, 1977, black and white photograph. Picture credit: The Gay, Lesbian, Bisexual, Transgender Historical Society (GLBTHS), San Francisco (page 143)

Author: Maíra Goldschmidt